„Der Ötscher ist aus botanischer Sicht spannend, weil sich hier durch seine klimatologische Sonderstellung zahlreiche endemische Arten erhalten konnten. Am Ötscher treten die für hochalpine Gebiete typischen Bedingungen bereits in geringerer Höhe auf als in westlich gelegenen alpinen Gebieten“, führt „Radio-Niederösterreich Gärtner“ Johannes Käfer aus.
Wildtierbiologin Sabine Hille (BOKU Wien, Verein Alpine Biodiversity) ergänzt: „Die Landschaft rund um den Ötscher ist als Kulturlandschaft durch menschliche Nutzung geprägt und verändert sich zusätzlich sehr schnell und stark durch die Erwärmung. Der Wald drückt auch am Ötscher nach oben und offene Flächen beherbergen bereits Arten der Tieflagen.“
Klimatologe Andreas Jäger erklärte die Wetterextreme des heurigen Sommers: „Die extremen Temperaturen von über 40 Grad in Ostösterreich markierten einen historischen Hitzerekord. Die starke nächtliche Abkühlung der letzten Tage wurde durch wolkenarme Nächte begünstigt: Ohne Wolken kann die Wärme ungehindert ins Weltall abstrahlen. Gleichzeitig führt geringe Luftfeuchtigkeit dazu, dass Gewitter und Niederschläge ausblieben. Auch das Ausbleiben sichtbarer Kondensstreifen von Flugzeugen kann ein Hinweis auf trockene Luft sein.“
„Alpine kälteangepasste Arten können mit der Erwärmung um 3 Grad Celsius nicht mehr mithalten. Durch die hitzebedingte, frühere Schneeschmelze und ausgetrocknete Böden finden sie weniger Insekten- und Pflanzennahrung, weniger Kühle im Hitzestress und die Brutzeiten verkürzen sich. Im Winter weiß umfärbende Arten verlieren ihre Tarnung. Das Timing im ökologischen Sytem kommt durcheinander - mit massiven Folgen für alle alpinen Arten. Gleichzeitig dringen durch die Erwärmung Prädatoren und Parasiten der Tieflagen in höhere Lagen vor“, erklärt Sabine Hille wie auch die Tierwelt zunehmend unter Druck gerät.
Nach einer kurzen Gipfelrast mit Verpflegung vom Regional- & Genussladen Angie in Gaming führte der Rückweg zum Ötscher Schutzhaus, wo die TeilnehmerInnen den Tag in geselliger Runde ausklingen ließen.
Der Naturpark Ötscher-Tormäuer und Klimaforschung Ötscher-Tormäuer möchten mit Exkursionen wie dieser, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich vermitteln und gleichzeitig das Bewusstsein für die Veränderungen im alpinen Raum stärken. Die Veranstaltung förderte den Austausch und den Dialog zwischen Forschung, Bevölkerung und Gästen der Region.
Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) und die EU (über die Schiene der Ländlichen Entwicklung) fördern diese Klimawanderung im Rahmen des Projekts „Klimaforschung Ötscher-Tormäuer“. Dahinter steht die Alpenkonvention – ein internationales Übereinkommen zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung des Alpenraums.
„Mit attraktiven Formaten wie der Klimawanderung können die Themen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und so soll das Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit sensiblen alpinen Lebensräumen gestärkt werden“, so Ewald Galle und Katharina Zwettler, Projektverantwortliche im BMLUK.
Mehr Informationen zum Projekt: https://www.klimaforschung-oetscher.at
Mehr Informationen zur Alpenkonvention: Alpine Convention | Alpconv
Weiterführende Informationen zu Artenschutz im Alpenraum: www.alpine-biodiversity.at
Fotos:
2026_Klimawanderung_Experten v.l.n.r. Andreas Jäger, Sabine Hille, Johannes Käfer
2026_Klimawanderung_Gruppenfoto
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