Cliffhanger „Tourist Information“

Wanderer im Naturpark Ötscher-Tormäuer werden staunen, wenn sie plötzlich hoch oben in einer Steilwand in den Ötschergräben, neben dem Mirafall, eine Geschäftsfassade mit der Beschriftung „Tourist Information“ entdecken – an einer Stelle, die eigentlich nur für Sport-Kletterer erreichbar ist. Nach drei Jahren Vorbereitungszeit und 13 Jahre nach dem ersten Entwurf wird nun das Projekt „Cliffhanger“ eröffnet.

Mit spektakulären Mitteln wird hier die Eroberung der Landschaft und das beständige Ausbreiten von Zivilisationsgrenzen – auch durch den Tourismus – visualisiert. Der Massentourismus, der in den letzten Jahren oft Städte und Regionen zu Kulissen für ihre Besucher vorkommen ließ und deren Bewohner zu Statisten ihres eigenen Umfeldes machte, ist nun selbst durch das Corona-Virus angeschlagen. Die radikalen Vorgangsweisen in Erholungsgebieten, auch auf Kosten der örtlichen Bevölkerung und der Natur Gewinne zu maximieren, scheinen zumindest einmal unterbrochen zu sein.

Ist diese Installation vielleicht ein Sinnbild für diesen Zustand? Ist Tourismus mittlerweile für viele unerreichbar?

Die Ötscher-Region ist ein Gebiet, die von diesen negativen Entwicklungen bisher weitgehend verschont geblieben ist, und so kann das Projekt gewissermaßen auch als eine Warnung oder als ein Mahnmal verstanden werden, zukünftig nachhaltiger und sensibler mit der Umwelt umzugehen.

Hinter „Cliffhanger“ steckt das Künstlerkollektiv Steinbrener/Dempf & Huber. Viele ihrer Projekte sorgten für große Aufmerksamkeit. Ihre Kunst ist oft nicht gleich als solche zu erkennen und profitiert von dem entsprechenden Überraschungsmoment. Ihre Skulpturen und Objekte platzieren sie gerne an unmöglich scheinenden Orten. Sie verhandeln und visualisieren aktuelle gesellschaftliche Sachverhalte. Unser Umgang mit Natur und die Frage, wem der öffentliche Raum gehört, sind immer wieder neu formulierte Themen des Kollektivs.

Mehr über das Künstlerkollektiv Steinbrener/Dempf & Huber

Bei ihrem Gründungsprojekt „Delete!“ wurden 2005 in einer Einkaufsstraße in Wien alle kommerziellen Zeichen wie Geschäftsschilder oder Werbeplakate gelb verhüllt, um die Kommerzialisierung von urbanen Begegnungszonen zu visualisieren.
Mit der Besteigung des monumentalen, 42 Meter hohen Hamburger Bismarck-Denkmals und der anschließenden Platzierung eines Steinbocks auf der Glatze des Reichskanzlers, thematisierten sie in ironischer Weise die Gigantomanie des Bauwerks, den Bismarck-Kult und das Wiedererstarken nationaler Bewegungen.
Vor 13 Jahren, kurz nach der Gründung des Künstlerkollektivs Steinbrener/Dempf & Huber, entstand der erste Entwurf mit einer „deplazierten“ Fassade eines Geschäftslokals. Damals prangte in einer Fotomontage ein Hugo Boss-Geschäft unerreichbar an der Kanalseite eines Speichers der Hamburger Speicherstadt. Dieser Entwurf thematisierte Immobilienspekulation von rein gewinnorientierten Unternehmen, die Stadtplanung im Sinne der Bevölkerung verhindert.

Die Niederösterreichische Landesgalerie in Krems zeigt 2021 anlässlich des Projektes eine Ausstellung von Steinbrener/Dempf & Huber mit vielen oben beschriebenen Entwürfen. Es erscheint anlässlich der Ausstellung ein Katalog zu „Cliffhanger“.

Originalfotos der Installation „Cliffhanger“ finden Sie hier!

Die Eröffnung war bereits am 18. September 2020 im Naturparkzentrum Ötscher-Basis: Einladung und Programmdetails downloaden!

Laufzeit: 18. September 2020 bis September 2021
(der Naturpark ist von 01. Mai bis 26. Oktober geöffnet)

Weitere Informationen:
Christoph Steinbrener
E steinbrener-dempf@chello.at
www.steinbrener-dempf.com

Cliffhanger auf der Karte

Touren zur Besichtigung des Kunstprojekts "Cliffhanger"