Die Zeit für die Königin der Wildfrüchte

Dirndlernte

Sobald sich die Blätter zu verfärben beginnen und die Heuernte schon fast abgeschlossen ist – dann ist sie gekommen - die Zeit der Dirndlernte, Zeit für die Königin der Wildfrüchte - Namensgeberin für eine ganze Talschaft.

Am Fuße des Naturparks Ötscher – Tormäuer, im Nordosten, liegt das Pielachtal, auch bekannt als „Tal der Dirndl“. Bei einer Fahrt mit der Himmelstreppe von St.Pölten aus in Richtung Mariazell lassen sich die besondere Wildfrucht und die Menschen bei der Ernte beobachten.

Ein Frühblüher der Landschaft mit einem kräftigen Gelb verschönert

Im Frühling, manchmal schon im Februar, wenn noch keine andere Pflanze Blüten zeigt, beginnt die Dirndlblüte. Von weitem sind die vielen bis zu 8 Meter hohen, gelb blühenden Sträucher, in einer noch schlafenden Landschaft zu sehen. Die Dirndlsträucher oder Dirndlstauden, wie sie in der Region genannt werden, lieben warm-trockene Standorte mit ausreichendem Kalkgehalt. Ein beliebter Wachstumsort sind Wiesen, Weiden und Waldränder. Die Dirndl wird auch als Kornelkirsche oder Gelber Hartriegel bezeichnet. Der wissenschaftliche Name ist Cornus mas.

Der Name Dirndl hat aufgrund der Namensgleichheit mit der volkstümlichen Bezeichnung für Mädchen und der Trachtenbekleidung für Frauen schon für so manche Verwechslung gesorgt.

Die Kunst des Erntens

Von August bis Ende September ist Erntezeit!

Die Früchte sind hellrot bis schwarz, länglich und wiegen je nach Sorte ca. 2 Gramm. Ein Strauch kann mehrere hundert Jahre alt werden. In diesem hohen Alter können sie Früchte mit einem Gewicht von 80 bis 100 Kilogramm tragen. Fallen die Dirndl von alleine vom Strauch, sind sie reif.

Die Ernte erfolgt mit Hilfe von Netzen, die zu Beginn der Reife unter die Stauden gespannt werden. Alle 2 Tage werden die Früchte aus dem Netz geklaubt. Obwohl das Lesen der Dirndlfrüchte nach wie vor reine Handarbeit ist, bringt diese Methode einiges an Zeitersparnis sowie auch eine Qualitätsverbesserung. Oft wird auch mit einer Holzstange auf die früchtetragenden Äste geschlagen, um die Früchte ins Netz zu „Stangeln“. Dabei fallen aber auch Äste, Blätter und unreife Dirndl mit in die Netze und dies bedeutet in weiterer Folge zusätzlichen Aufwand beim Waschen und Aussortieren der Früchte. Früher wurden die Dirndl vom Boden „geklaubt“. Auch dabei waren stärkere Verunreinigungen die Folge.

Die reifen Früchte schmecken süß-säuerlich. Werden die Früchte zu früh oder zu spät geerntet, ist ihr Geschmack herb säuerlich oder moderig. Da die Dirndlfrüchte auf der Staude unterschiedlich reifen, kann die Ernte auf einer Staude von Mitte August bis Ende September dauern.

Multitalent Dirndl

Die reifen Früchte werden zu allerlei Köstlichkeiten wie Sirupe, Säfte, Liköre, Schnaps, Marmeladen, Chutneys, Schokoladen, Eis, Tees und sogar zu Dirndloliven verarbeitet. Aus den Kernen und dem Holz werden Schmuck und Dirndl-Kernkissen angefertigt. Aufgrund der Härte des Holzes, wurde es in frühester Zeit zur Erzeugung von Radnaben, Uhrenzahnrädern, Bögen, Speeren und Knöpfen verwendet.

Tipp:

Fertige Dirndlprodukte können Sie im Pielachtal bei  Familie Fuxteiner oder Familie Gatterer erwerben.

 

Text und Fotos von Naturvermittlerin Martina Kalteis